Paul Gerhardt
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Poesie für gelebte Grundhaltungen
Er gebe uns ein fröhlich Herz,
erfrische Geist und Sinn
und werf all Angst, Furcht, Sorg und Schmerz
ins Meeres Tiefe hin.
Paul Gerhardt wird am 12. März 1607 in Gräfenhainichen geboren, wo er seine ersten 15 Lebensjahre verbringt. Während der Ausbildung an der Fürstenschule Grimma sowie ab 1628 an der Wittenberger Universität als Student der Theologie lernt er vermutlich das Dichten. Eine weitere Station in seinem Leben und Wirken ist Berlin, wo er nicht nur seine spätere Ehefrau Anna Maria Berthold kennenlernt, sondern schon bald zum beliebtesten Seelsorger wird. Johann Crüger, Kantor an St. Nikolai zu Berlin, entdeckt ihn schließlich als Kirchenlieddichter. Sein erster Berlinaufenthalt endet 1651 – nach Ordination und anschließender Übernahme der Propststelle in Mittenwalde lebt er mit seiner Frau in dem schwer kriegsverwüsteten Städtchen unter eher dürftigen Verhältnissen, bis er dann auf eine vakante Pfarrstelle an St. Nikolai berufen wird. Sein zweiter Berlinaufenthalt liegt in einer Zeit erheblicher kirchenpolitischer Auseinandersetzungen zwischen reformierten und lutherischen Kräften. Da Paul Gerhardt sich schriftlich auf die lutherischen Bekenntnisschriften und “in dieser Lehre zu beharren” verpflichtet hat, wird er 1666 sogar seines Amtes enthoben. Kurz darauf veröffentlicht Kantor Johann Georg Ebeling, der Nachfolger Crügers, die erste Gerhardt-Gesamtausgabe - und macht Berlin zum Zentrum des evangelischen Kirchenliedes. Der sanfte, aber mutige und unnachgiebige Gerhardt verlässt Berlin 1668 und beschließt sein Leben am 27. Mai 1676 als Pfarrer in Lübben.
Paul Gerhardt, der mit 13 Jahren seine Eltern verlor, den Dreißigjährigen Krieg mit seinen Verwüstungen und Schrecken überlebte, seine Frau und vier seiner fünf Kinder begraben musste, kannte Dunkelheiten, die von keinem einfachen Optimismus aufgehellt werden konnten. Aber er kannte auch den Lebensmut, die Gelassenheit und Lebensfreude, das „Sehen mit dem Herzen“, das aus seinem Leben mit Gott erwuchs. Paul Gerhardts Lieder sind ein Spiegel seines persönlichen Lebenslaufes und seiner Spiritualität: seiner immer wieder gewonnenen Lebenszuversicht und Lebenskunst aus christlichem Glauben; darum sind seine Lieder auch heute noch „Nahrung für die Seele“, Worte, die Flügel verleihen: im Gottesdienst oder auch in moderner Vertonung werden sie auch heute gern in Gottesdiensten gesungen und persönlich nachempfunden.
