Paul-Gerhardt-Stiftung

Verantwortung geschichtsbewusst und zukunftsorientiert

Verantwortung geschichtsbewusst und zukunftsorientiert

Auf einer Feier zum 200. Todestag Paul Gerhardts am 7. Juni 1876 in Gräfenhainichen wird beschlossen, Paul Gerhardt nicht ein Denkmal aus Stein oder Erz zu setzen, sondern ihm zu Ehren in seiner Heimat eine lebendige Arbeitsstätte praktischen Christentums und tätiger Nächstenliebe zu begründen. Dieser Tag gilt als Gründungstag der Paul-Gerhardt-Stiftung.

Die Stifter, aus dem christlichen Bürgertum stammend, sehen aus christlicher Motivation die Notwendigkeit, die pflegerische und medizinische Versorgung der Bevölkerung zu sichern. Sie wissen sich verbunden mit einer Fülle diakonischer Initiativen in Deutschland, die mit der historischen Rede J.H. Wicherns am 22. September 1848 in der hiesigen Schlosskirche zu Wittenberg große Ausstrahlung und gemeinsame organisatorische Kraft gefunden hatten.

Stifter sind die 15 Kirchenkreise in den Landkreisen Bitterfeld, Delitzsch, Wittenberg, Torgau, Schweinitz und Liebenwerda. Über 6 Jahre hindurch wird mittels Vorträgen und Spenden für einen gemeinsamen Baufonds gesammelt.

Am 17. August 1882 erfolgt die Grundsteinlegung zum ersten Bau des Krankenhauses in der Wittenberger Poststraße (heute Fleischerstraße).

Am 4. Oktober 1883 wird das Krankenhaus der Paul-Gerhardt-Stiftung feierlich eingeweiht – mit Platz für 30 Krankenbetten - als „Krankenhaus Paul-Gerhardt-Stift unterm Roten Kreuz“. Das Krankenhaus fühlt sich mit seinen diakonischen Wurzeln schon damals ausdrücklich den Idealen der Genfer Konvention verpflichtet. (erster Vorstand: Superintendent Georg Schleußner).

Zur angemesseneren Betreuung chronisch Kranker und Pflegebedürftiger, und um als Paul-Gerhardt-Stift der Krankenhausfunktion weiter gerecht werden zu können, wird 1893 als neue Einrichtung eine „Zweigstiftung“, das heutige Paul-Gerhardt-Seniorenheim „Georg Schleusner“, gegründet (Vorstand ebenso: Superintendent Georg Schleußner) und 1894 in Betrieb genommen.

Mit dem ersten Erweiterungsbau und der Einrichtung eines modernen Operationssaales 1897 steigt die Zahl der Patienten stetig an.

Planungsansicht Rückansicht Fleischerstr.2Das zunehmende Vertrauen der Bevölkerung bringt die Notwendigkeit eines Neubaus des Krankenhauses mit sich. Erster Teil des Neubauvorhabens ist das Diakonissen-Mutterhaus für die Schwesternschaft im Paul-Gerhardt-Stift, das unter dem Namen „Katharinenstift“ („Haus 6“) 1907 eingeweiht wird.

Mit Unterstützung des Landkreises und der Stadt Wittenberg wird am 20. Oktober 1910 das neue Krankenhausgebäude an der Paul-Gerhardt-Straße eingeweiht. (1915: 90 Betten, 2 Ärzte, eine Oberin, 15 Schwestern, ein Pfleger, ein Sanitäter) Seit 1908 ist der Landkreis im (heutigen) Kuratorium der Paul-Gerhardt-Stiftung mit Sitz und Stimme vertreten.

1914 wird in Trägerschaft der Schwesternschaft die öffentlich anerkannte Krankenpflegeschule der Paul-Gerhardt-Stiftung gegründet, die bis heute Aus- und Weiterbildungen für unterschiedliche Pflegeberufe anbietet.

Im März 1921 wird das bis dahin gleichzeitig bestehende städtische Krankenhaus in Wittenberg aufgelöst, und das Paul-Gerhardt-Stift durch die Stadt Wittenberg mit der alleinigen Wahrnehmung der Krankenhausversorgung der Stadt vertraglich beauftragt. Seitdem ist die Stadt Wittenberg im (heutigen) Kuratorium der Paul-Gerhardt-Stiftung mit Sitz und Stimme vertreten.

1923 absolvieren erstmals Medizinstudenten im Rahmen ihrer akademischen Ausbildung Praktika im Paul-Gerhardt-Stift.

Ein Foto vom 7. Juni 1926Aufgrund der raschen Zunahme der Patientenzahl, insbesondere im chirurgischen Bereich, wird 1930 ein neuer Erweiterungsbau abgeschlossen, u.a. zur ambulanten Versorgung chirurgischer Patienten (Ostflügel). Das Krankenhaus (nun ca. 200 Betten) genoss auch zu dieser Zeit einen sehr guten Ruf als moderne medizinische Einrichtung, die durchschnittliche Verweildauer der Patienten lag unter dem Landesdurchschnitt.

Dem Chefarzt Dr. Bosse wird am 28.12.33 gekündigt, weil er sich nicht von seiner evangelischen Frau, die jüdische Vorfahren hatte, scheiden läßt. Er muß am 31.12.35 die Klinik nach über 28jähriger Tätigkeit verlassen, davon über 16 Jähre als ltd. Chefarzt. Er gründet anschließend in Wittenberg die angesehene „Privatklinik und Entbindungsanstalt Dr. Bosse". Die Familie ist im weiteren Verlauf zunehmenden Repressalien ausgesetzt. Chefarzt Dr. Bosse musste auf jegliche Ansprüche verzichten. Frau Käthe Bosse wird am 16.12.1944 im KZ Ravensbrück ermordet. (Am 22.8.2009 wurde zu ihrem Andenken vor dem Haus der alten Bosse-Klinik, Heubnerstraße, ein „Stolperstein“ verlegt.)

Anlässlich des Großunglücks in den Westfälisch-Anhaltinischen Sprengstoffwerken in Reinsdorf am 13. Juni 1935 führt das Paul-Gerhardt-Stift die Versorgung der fast 90 Schwerverletzten durch (ärztliche Leitung: Dr. Bosse).

Die Kinderstation 19391939 wird aufgrund ständiger Überbelegung das neue Haupthaus des Krankenhausgebäudes zur Erweiterung der Bettenkapazität fertiggestellt. Zum 1.10.1939 wird mit dem Ev. Diakonieverein in Zehlendorf ein Vertrag zur Absicherung der Pflege im Paul-Gerhardt-Stift abgeschlossen

1942 wird das Paul-Gerhardt-Stift in der Folge der nationalsozialistischen Politik zwangsweise der Leitung des Oberbürgermeisters der Stadt Wittenberg übertragen.

1948 wird in den Räumen des Krankenhauses die staatliche Poliklinik der Stadt Wittenberg eröffnet, die später als anerkannte Ambulanz des Paul-Gerhardt-Stifts weitergeführt wird.

Dieses Foto zierte die Einladungskarte zum 75-jährigen Bestehen  des Krankenhauses am 4. Oktober 1958Das Ev. Krankenhaus „Paul-Gerhardt-Stift“ wird durch seine hervorragende Medizin und Pflege im Zeichen christlicher Humanität zum führenden evangelischen Krankenhaus in der DDR.

Das allgemeine Interesse am Krankenhaus „Paul-Gerhardt-Stift“ zeigt sich auch durch prominente Besucher: 1953 durch den damaligen Gesundheitsminister Steidtle, 1959 durch leitende Mitarbeiter des Ministeriums für Gesundheitswesen und des FDGB und 1978 durch den damaligen Staatssekretär für Kirchenfragen, Hans Seigewasser.

Für die Patientenversorgung wird zusätzlich ein massives Gebäude errichtet, das als „Gartenhaus“ am 1. September 1962 eingeweiht wird.

 Rege Bautätigkeit im September 1988Zum 1. Januar 1993 wird das Georg Schleusner Seniorenheim (gegr. 1893, s.o.) von der Lutherstadt Wittenberg als Zustiftung auf die Paul-Gerhardt-Stiftung übertragen.

In den 90’er Jahren werden das „Sozialmedizinische Zentrum Oranienbaum“ mit dem Paul-Gerhardt-Seniorenheim „Haus Katharina“ und das Paul-Gerhardt-Seniorenheim „Haus Barbara“ in Zschornewitz seitens der Landkreise Zerbst und Bitterfeld als unselbständige Stiftungen der Verantwortung der Paul-Gerhardt-Stiftung übergeben.

Am 1. Januar 1991 erfolgt durch Vertrag mit dem Landkreis Wittenberg die Gründung der Beratungsstelle für Abhängigkeitserkrankungen.

Anfang 2005 wird die Versorgungstätigkeit des 1974 gegründeten städtischen Krankenhauses in Apollensdorf-Nord eingestellt, die Mitarbeiter werden in das Krankenhaus Paul-Gerhardt-Stift aufgenommen.

2005 erfolgt die Gründung der Paul-Gerhardt-Poliklinik in Jessen.

Am 4. Oktober 2008, zum 125-jährigen Gründungsjubiläum des Ev. Krankenhauses „Paul-Gerhardt-Stift“, wird ein weiterer Bauabschnitt eingeweiht Am selben Tag wird – anlässlich des 125-jährigen Geburtstages des Paul-Gerhardt-Stifts - in der Schlosskirche zu Wittenberg im Beisein des Ministerpräsidenten des Landes Sachsen-Anhalt, Herrn Prof. Dr. W. Böhmer, der Zusammenschluss der Paul-Gerhardt-Stiftung, Lutherstadt Wittenberg, und des Vereins zur Errichtung Evangelischer Krankenhäuser e.V., Berlin,, Berlin, feierlich begangen. (Seit dem 1.7.2009 trägt der VzE den neuen Namen Paul Gerhardt Diakonie e.V., Berlin und Wittenberg.

 Rege Bautätigkeit im September 1988Am 3. September 2009 gründet die Paul-Gerhardt-Stiftung an ihrem neuen Standort „Bugenhagenhaus“ die Paul Gerhardt Diakonie – Akademie. Wie im Zusammenschluss von Paul-Gerhardt-Stiftung und Paul Gerhardt Diakonie abgesprochen, übernimmt die Paul Gerhardt Diakonie – Akademie die Funktion einer Unternehmensakademie für die Paul Gerhardt Diakonie.

Quelle u.a.: Prof. Dr. W. Böhmer: Das Krankenhaus Paul-Gerhardt-Stift im Wandel der Zeiten. In: P. Gierra (Hrsg.):Impulse zur Diakonie in der Lutherstadt Wittenberg, Berlin, 1983, S. 40-103.

Aktualisierung am 21.04.2011 Absatz Geschichte Zeitraum 1933-1935 Dr. Bosse. Die Paul-Gerhardt-Stiftung Lutherstadt Wittenberg hat eine historische Aufarbeitung Ihrer eigenen Geschichte in Auftrag gegeben. Unter folgendem Aspekt erfolgt die Aufarbeitung "Tätigkeit des Vorstands der Paul-Gerhardt-Stiftung in Wittenberg 1918 – 1949".

 

Kontakt
Paul-Gerhardt-Stiftung
Bugenhagenhaus
Kirchplatz 9
06886 Lutherstadt Wittenberg

Tel.: 03491 459540-0
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